KOLINGA
Live im Tollhaus
5. August 2025, 20.30 Uhr
Ort: Kulturzentrum Tollhaus
Kolingas sinnlich-elegante Musik, aus Pop, kongolesischer Rumba, Jazz, Soul, Chanson und HipHop geformt, geht direkt in die Beine, wobei ihre Stimme die Zerrissenheit einer Künstlerin offenbart, die mit kaum dreißig Jahren zur Stimme eines virtuosen Kollektivs geworden ist. Das neue Album erzählt von polyphoner Identität, von den Gespenstern der Geschichte und der entwurzelten Gegenwart, von Erinnerungen, denen man nachgeht, und den anderen, vor denen man flieht. In Rébeccas Leben war Musik immer selbstverständlich, denn sie vereinte ihre Eltern. Ihr Vater ist der aus Brazzaville stammende Sänger mit der unverkennbar hohen Stimme Angélou Chevauchet und ihre Mutter ist Claudie Escalé-Mbemba, die als erste weiße Frau in das kongolesische Nationalballett aufgenommen wird. Im Kongo sind die beiden Stars, aber das Schicksal entscheidet sich anders.
Rébecca wird im Südwesten Frankreichs geboren, wo ihre alleinerziehende Mutter Unterricht in afrikanischem Tanz gibt. Das kleine Mädchen lernt schnell und gibt irgendwann selbst Stunden. Ihren Vater sieht sie von Zeit zu Zeit, aber er bringt ihr weder seine Sprache bei noch seine Kultur nahe. Brazzaville entdeckt sie mit zwölf Jahren: „So viele Emotionen und so viele Informationen, dass ich mich an nichts mehr von dieser Reise erinnern kann.“ Sie kehrt aber regelmäßig dorthin zurück und gibt auch ihr erstes Konzert mit der Band FB Star dort. Als Tochter von Künstler*innen möchte sie lieber einen „richtigen“ Beruf erlernen und geht diesem Wunsch mit ihrem Studium der audiovisuellen Medien auch zuerst nach.
2014 begegnet Rébecca dem Multi-Instrumentalisten Arnaud Estor. Seine Weltoffenheit und ihr Leben zwischen zwei Kulturen lassen eine Zusammenarbeit ganz natürlich entstehen. Die beiden gründen Kolinga, was auf Lingala sowohl „verbinden“ wie auch „einkreisen“ in puncto Beziehungen, Inklusion und mehr bedeutet. Erste Kompositionen entstehen, erste Duo-Konzerte mit Loopern folgen und mit Earthquake wird 2016 auch ein erstes Album veröffentlicht.
Dann geht ein schon längere Zeit gehegter Wunsch in Erfüllung – aus dem Duo wird ein Sextett, mit dem man höher, weiter und tiefer gehen kann: Schlagzeuger, Pianist und Multi-Instrumentalist Jérôme Martineau-Ricotti, Nicolas Martin (Bass), Jérémie Poirier-Quinot (Keybords, Flöte) und Vianney Desplantes (Euphonium, Flugabone). In ihren gesammelten Erfahrungen haben die Musiker u.a. bei Magma, den Arts Florissants, der Old School Funky Family, Jay-Jay Johanson, dem ensemble 2e2m oder dem Cirque Bidon gespielt – eine wahre polyphone Enzyklopädie aus Strenge und Freiheit.
2021 spielt Kolinga trotz Lockdowns dreißig Konzerte als Sextett und nimmt parallel dazu das neue Album auf. Eine erste Single namens „Mama (Don’t Let Me)“ ist im Mai erschienen. Im animierten Video wird die Geschichte eines Kindes mit Eltern unterschiedlicher Hautfarbe erzählt, das von seiner alleinerziehenden Mutter großgezogen wird. Das Drehbuch dazu schrieb Rébecca.
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